Sublingual

Der Begriff sublingual stammt aus dem Lateinischen und setzt sich aus den Wörtern sub für unter und lingua für Zunge zusammen. In der Medizin und Zahnmedizin beschreibt er eine Lagebezeichnung für Strukturen, die sich unterhalb der Zunge befinden, sowie eine spezifische Form der Verabreichung von Medikamenten. Der Bereich unter der Zunge ist anatomisch besonders markant, da die dortige Schleimhaut sehr dünn und stark durchblutet ist, was sowohl für die Diagnose von Erkrankungen als auch für die schnelle Aufnahme von Wirkstoffen eine entscheidende Rolle spielt.

Anatomie der sublingualen Region

Der Raum unter der Zunge wird als Mundboden bezeichnet. Er bildet die untere Begrenzung der Mundhöhle und besteht aus einer komplexen Anordnung von Muskeln, Drüsen, Gefäßen und Nerven. Die Schleimhaut in diesem Bereich ist im Vergleich zur restlichen Mundhöhle extrem zart und nicht verhornt. Dadurch schimmern die darunterliegenden Venen, insbesondere die Vena sublingualis, oft bläulich durch.

Zentral am Mundboden verläuft das Zungenbändchen (Frenulum linguae), das die Unterseite der Zunge mit dem Mundboden verbindet. Rechts und links des Zungenbändchens befinden sich kleine Erhebungen, die sogenannten Hungerwarzen (Carunculae sublinguales). Hier münden die Ausführungsgänge der großen Speicheldrüsen: der Unterzungendrüse (Glandula sublingualis) und der Unterkieferdrüse (Glandula submandibularis). Diese Drüsen produzieren einen Großteil des täglichen Speichels, der für die Vorverdauung und den Schutz der Zähne unerlässlich ist.

Die sublinguale Verabreichung von Medikamenten

Eine der bekanntesten Anwendungen des Begriffs ist die sublinguale Applikation. Dabei wird ein Medikament, meist in Form einer Tablette, eines Sprays oder von Tropfen, unter die Zunge gegeben. Der Wirkstoff wird dort direkt über die Mundschleimhaut in den Blutkreislauf aufgenommen.

Dieser Weg bietet entscheidende Vorteile: Da das Blut aus der Mundschleimhaut direkt in die obere Hohlvene fließt, umgeht der Wirkstoff die Leberpassage (First-Pass-Effekt). In der Leber werden viele Medikamente normalerweise teilweise abgebaut oder umgewandelt, bevor sie den restlichen Körper erreichen. Bei der sublingualen Aufnahme gelangt der Wirkstoff schneller und in höherer Konzentration direkt ins Blut. Dies ist besonders in Notfallsituationen wichtig, etwa bei Angina Pectoris (Nitrospray) oder bei starken Schmerzen. Auch bestimmte Vitamine, wie Vitamin B12, werden häufig sublingual verabreicht, wenn die Aufnahme über den Magen-Darm-Trakt gestört ist.

Bedeutung in der Zahnmedizin

Für den Zahnarzt ist die sublinguale Region ein sensibler Bereich, der bei jeder Untersuchung genau inspiziert wird. Da die Schleimhaut hier so dünn ist, zeigen sich Veränderungen oft früher als an anderen Stellen.

Ein häufiges Phänomen im sublingualen Bereich sind sogenannte Ranulae oder Mundbodenzysten. Dabei handelt es sich um bläulich schimmernde Schwellungen, die entstehen, wenn ein Ausführungsgang der Unterzungendrüse blockiert ist und sich Speichel im Gewebe ansammelt. Diese sind meist schmerzlos, können aber beim Sprechen oder Schlucken stören und müssen gelegentlich chirurgisch entlastet werden.

Auch Entzündungen oder Steine in den Speicheldrüsen (Sialolithiasis) machen sich oft sublingual bemerkbar. Ein Speichelstein kann den Abfluss behindern, was zu schmerzhaften Schwellungen führt, die besonders beim Essen zunehmen, wenn der Speichelfluss angeregt wird.

Bei chirurgischen Eingriffen am Mundboden, etwa bei der Entfernung von Weisheitszähnen im Unterkiefer oder beim Setzen von Implantaten, muss der Zahnarzt besonders vorsichtig sein. In der sublingualen Region verlaufen wichtige Nerven, wie der Nervus lingualis, der für das Gefühl und den Geschmack der Zunge zuständig ist. Eine Verletzung in diesem Bereich kann zu dauerhaften Taubheitsgefühlen führen.

Pathologische Veränderungen und Vorsorge

Da der Mundboden eine Prädilektionsstelle für bestimmte bösartige Veränderungen (wie das Mundhöhlenkarzinom) ist, gehört das Abtasten und Inspizieren der sublingualen Region zur routinemäßigen Krebsvorsorge beim Zahnarzt. Rauchen und regelmäßiger Alkoholkonsum gelten hier als Hauptrisikofaktoren. Auffällige Rötungen, weiße Flecken (Leukoplakien) oder Verhärtungen, die länger als zwei Wochen bestehen, sollten immer fachärztlich abgeklärt werden.

Auch das Zungenbändchen kann klinisch relevant sein. Ist es zu kurz oder zu weit vorne angewachsen, schränkt es die Beweglichkeit der Zunge ein. Bei Kindern kann dies zu Sprachfehlern (Lispeln) oder Problemen bei der Nahrungsaufnahme führen. In solchen Fällen kann eine kleine chirurgische Korrektur (Frenulotomie) die Beweglichkeit sofort verbessern.

Hygiene und Pflege

Die Pflege des sublingualen Bereichs erfolgt indirekt über die allgemeine Mundhygiene. Da sich unter der Zunge und an den Ausführungsgängen der Drüsen viel Speichel ansammelt, ist dieser Bereich besonders anfällig für die Bildung von Zahnstein an den Innenseiten der unteren Schneidezähne. Die Mineralien im Speichel härten den Zahnbelag dort besonders schnell aus. Eine gründliche Reinigung mit der Zahnbürste und regelmäßige professionelle Zahnreinigungen sind daher wichtig, um Entzündungen des Zahnfleisches in diesem Bereich vorzubeugen.

Wann zum Arzt?

Ein Besuch beim Zahnarzt oder Mund-Kiefer-Gesichtschirurgen ist ratsam, wenn Schwellungen unter der Zunge auftreten, die Schmerzen verursachen oder das Schlucken erschweren. Auch bei einem trockenen Mundgefühl, einem unangenehmen Geschmack oder sichtbaren Veränderungen der Schleimhaut sollte eine Untersuchung erfolgen. Da die sublinguale Region sehr gut durchblutet ist, heilen kleine Verletzungen (etwa durch harte Speisen) meist schnell von selbst. Bestehen Wunden jedoch länger, ist eine Abklärung notwendig.

Zusammenfassung

Sublingual beschreibt einen anatomisch und medizinisch hochrelevanten Bereich unter der Zunge. Er zeichnet sich durch eine dünne Schleimhaut, die Mündungen wichtiger Speicheldrüsen und eine direkte Verbindung zum Blutkreislauf aus. Ob als schneller Aufnahmeweg für Notfallmedikamente oder als wichtiger Fokus bei der zahnärztlichen Vorsorge – die sublinguale Region ist ein Schlüsselbereich für die allgemeine und orale Gesundheit. Eine regelmäßige Kontrolle und gute Pflege sichern die Funktion der Speicheldrüsen und helfen, ernsthafte Erkrankungen frühzeitig zu erkennen.

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