Pulpa

Die Pulpa, im Volksmund oft einfach Zahnnerv genannt, ist das lebendige Innere des Zahnes. Sie füllt die Pulpahöhle (Cavum dentis) aus, die sich im Zentrum der Zahnkrone und in den Wurzelkanälen befindet. Die Pulpa ist ein hochsensibles, weiches Bindegewebe, das den Zahn von innen heraus versorgt und schützt. Sie ist während der Zahnentwicklung der Baumeister des Zahnes und bleibt lebenslang sein biologisches Kontrollorgan.

Aufbau und Bestandteile

Die Pulpa ist ein komplexes System aus verschiedenen Gewebekomponenten. Den Hauptanteil bildet bindegewebiges Grundgewebe, in das Spezialzellen eingebettet sind.

Besonders wichtig sind die Odontoblasten. Diese Zellen bilden den Rand der Pulpa zum Dentin hin. Ihre Fortsätze ragen in die Dentinkanälchen hinein. Odontoblasten sind zeitlebens in der Lage, Sekundärdentin zu bilden, um den Zahn bei Abnutzung oder Kariesangriffen von innen zu verstärken.

Das Blutgefäßsystem der Pulpa ist extrem fein verästelt. Über eine kleine Öffnung an der Wurzelspitze (Foramen apicale) treten Arterien ein und Venen aus. Da die Pulpa von hartem Dentin umschlossen ist und sich bei Entzündungen nicht ausdehnen kann, führen schon kleinste Durchblutungsstörungen zu enormem Druck und Schmerz.

Das Nervensystem der Pulpa besteht aus markhaltigen und marklosen Nervenfasern. Sie leiten Reize wie Druck, Temperaturveränderungen oder Schmerzimpulse an das Gehirn weiter. Interessanterweise kann die Pulpa Reize fast ausschließlich als Schmerz interpretieren, egal ob der Auslöser Kälte, Hitze oder eine mechanische Reizung ist.

Funktionen der Pulpa

Die Pulpa erfüllt vier wesentliche Aufgaben: Die formative Funktion besteht in der Bildung von Dentin während der Zahnentwicklung und der lebenslangen Bildung von Ersatzdentin bei Reizung. Die nutritive Funktion stellt die Versorgung der Odontoblasten und des Dentins mit Nährstoffen und Flüssigkeit über das Blutgefäßsystem sicher. Die sensorische Funktion dient als Warnsystem. Schmerzsignale informieren den Körper über Schädigungen am Zahn, wie Karies oder Frakturen. Die defensive Funktion beschreibt die Abwehrreaktion gegen Eindringlinge (Bakterien). Die Pulpa kann Immunzellen aktivieren und durch die Bildung von Tertiärdentin versuchen, eine Barriere gegen Karies aufzubauen.

Krankheiten der Pulpa: Die Pulpitis

Die häufigste Erkrankung der Pulpa ist die Entzündung, die Pulpitis. Meist sind Bakterien die Ursache, die durch eine tiefe Karies bis ins Zahninnere vordringen. Man unterscheidet zwischen einer reversiblen (heilbaren) und einer irreversiblen (nicht heilbaren) Pulpitis.

Bei der reversiblen Form ist der Nerv gereizt, reagiert aber nach Entfernung der Ursache wieder normal. Bei der irreversiblen Form ist das Gewebe so stark geschädigt oder infiziert, dass es abstirbt (Pulpanekrose). Bleibt eine solche Entzündung unbehandelt, wandern die Bakterien über die Wurzelspitze in den Kieferknochen und verursachen dort Abszesse oder Zysten.

Therapiemöglichkeiten

Ist die Pulpa irreversible entzündet oder abgestorben, ist eine Wurzelkanalbehandlung unumgänglich, um den Zahn zu erhalten. Dabei wird das erkrankte Gewebe entfernt, das Kanalsystem gereinigt und desinfiziert und anschließend mit einem speziellen Material bakteriendicht verschlossen. Bei Milchzähnen oder sehr jungen bleibenden Zähnen gibt es auch Verfahren wie die Pulpotomie, bei der nur ein Teil der Pulpa entfernt wird, um das Wurzelwachstum noch zu ermöglichen.

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